Sonntag, 6. März 2022

Stell Dir vor es ist Krieg. Und alle spielen mit.

 Wir haben wieder einmal Krieg in Europa. Und es herrscht große Einigkeit in (fast) allen Medien und bei (fast) allen Parteien darüber wer hier Opfer und wer hier Täter ist. Ich möchte mich da nicht einmischen - auf mich hören wird ja ohnehin keiner. Zumal mir dieser Krieg ein klassischer Fall zu sein scheint, in welchem viele Väter die Verantwortung tragen.  Über Verantwortung will ich doch schon schreiben. 

Wir können durchaus davon ausgehen, dass alle in Verantwortung stehenden politischen Kräfte in Ost und West bereits seit längerem durchaus wussten, dass dieser seit Jahrzehnten schwelende Konflikt über kurz oder lang ausbrechen wird. Mister B. in W. benannte gar mehrfach konkrete Termine. Was eigentlich gar nicht so kompliziert war. Das die Duma in M. beschließen würde die zwei Volksrepubliken anzuerkennen und Tow. P. dann eine Entscheidung treffen müsste, war selbst mir kleiner Kerze auf der Torte klar. Auch wenn ich fest daran glaubte, es käme allenfalls zu einer militärischen Unterstützung in den VR selbst. Aber die auf Konflikte spezialisierten Einrichtungen am Ostufer des großen Teiches hatten da sicher bessere genauere Kalkulationen.

Was tat also die Politik in EU und den U. um den absehbaren Konflikt zu verhindern? Nichts, weniger als nichts. Ganz im Gegenteil. Beständig warfen sie Brandbeschleuniger in den qualmenden Herd. Um nur ein Beispiel zu nennen: die an der Spitze des fürs Militär stehende Ministerin eines großen mitteleuropäischen Landes drohte im Oktober 21 an, dass auch der Einsatz von Kernwaffen  denkbar wäre. Damals gab es gar noch, wenn auch leisen Widerspruch. Diplomatische Aktivitäten aus M. wurden zwar zur Kenntnis genommen, jedoch alle Kernfragen, welche die Sicherheit von RF betrafen von vornherein als nicht verhandelbar benannt und abgeschmettert. Das wurde parallel begleitet von einer auch für mich beispiellosen konzertierten medialen und politischen Hetze - und ich bin aus der Zeit Anfang der 1990er Jahre einiges in dieser Art gewöhnt. Man konnte praktisch kein TV oder Radioprogramm mehr hören ohne Negativschlagzeile gegen die RF und seinen Präsidenten persönlich serviert zu bekommen. Wie der Schwelbrand zu betrachten sei, wurde praktisch nur noch von Botschafter M. festgelegt, welcher gefühlt häufiger medial präsent war, als im Jahr zuvor Herr L. mit der Fliege. Es wurde insgesamt darauf hingearbeitet diesen Krieg endlich zu bekommen. Er war erwünscht und wurde initiiert.

Nachdem der Krieg dann unter Beteiligung des Militärs der RF heiß wurde, begann die Hochzeit der Heuchler für den Frieden. Politiker aus Staaten, welche zuvor Kriege begonnen oder zumindest an ihnen beteiligt waren (ich habe hier begrenzt Platz, zähle sie daher nicht auf) verurteilten diesen Krieg scharf und mischten auch sofort mit. Menschen, welche sich zuvor nie in irgend einer Form in Friedenspolitik eingebracht hatten (ein Appell für Frieden etwa 1 1/2 Wochen zuvor hatte ca. 5000 Unterschriften, eine Friedensdemo vor dem Brandenburger Tor am 18.2. tauchte allenfalls in den Verkehrsnachrichten auf) hüllten sich in die Farben des angegriffenen Landes und demonstrierten für Frieden. Für Frieden? Ich weiß nicht recht, wohl eher gegen RF. Gleichzeitig äußerten sich alle im Parlament vertretenen "demokratischen Parteien" etwa gleichlautend zu Schuld. Auch wenn die Forderungen am Ende etwas voneinander abwichen. Regierung und größte Oppositionsfraktion waren sich einig für den Frieden 100 Milliarden € für das Militär bereitzustellen. Das nachdem für das Gesundheitswesen, trotz Pandemie praktisch nicht ein Cent mehr floss. Gleichzeitig mit diesen "Friedensaktivitäten" findet eine große Ausgrenzung von Menschen der RF statt. In Kultur, im Sport (selbst der Behindertenverband machte hier mit!), in der Wirtschaft und rein gesellschaftlich. In Ländern, welche sich mit Informationsfreiheit brüsten, werden alle Infokanäle zum "Feindesland" gekappt. Dieser menschliche Schaden ist vermutlich irreparabel, war aber seit Jahren schon latent vorhanden. Journalisten hätten sich gegen die Beschränkung der Informationsfreiheit wenden müssen, nicht mitmachen. Sportler hätten sich mit den ausgeschlossenen Sportlern solidarisieren müssen, nicht mitmachen. Gerade bei den Sportlern der Paralympics hätte ich das erwartet. Offenbar forderte aber auch diese, dass andere Sportler, wegen ihres Passes ausgeschlossen wurden und demütigend wieder abreisen mussten.  Künstler müssten laut gegen die Kündigung ihrer Kollegen auftreten sollen, wie sie es taten, als sie wegen Covid nicht auftreten durften.

Gewinner ist auf jeden Fall die große Nation auf der anderen Seite des großen Teiches. Die zusätzlich den Vorteil hat, weit weg vom Konfliktort zu sein. Selbst ein paar Atombomben die fallen jucken da kaum. Die üblichen Opfer eines Krieges sowieso nicht. Das zeigt ein Blick in den Rückspiegel und die aktuelle Praxis.

Verlierer sind zuerst die Menschen der unmittelbar betroffenen Länder. Sie sterben und leiden für Interessen, welche nicht die ihren sind. Verlierer sind aber auch die Menschen in EU. Sie werden alles in Euro und Cent bezahlen müssen.