Donnerstag, 7. Mai 2015

Solidarität

Häufig höre und lese ich jetzt von der Notwendigkeit, Solidarität mit den streikenden GDLern zu üben. Ganz klar: ich habe Verständnis für alle abhängig Beschäftigen, welche ihr Recht wahrnehmen sich gegen schlechte Behandlung, miese Bezahlung und miserable Arbeitsbedingungen zu wehren. Wenn alle drei Komponenten zum Streik führen, fühle ich mich auch solidarisch mit diesen Menschen verbunden. 

Ich stelle mir aber auch Fragen.
Frage Nr. 1 an die Lokführer. Wen habt ihr eigentlich gewählt und wen werdet ihr bei der nächsten Bundestagswahl wählen? Wählt ihr denn Parteien, welche das aktuelle Gesellschaftssystem für ungerecht halten und daher als unsolidarisch und abzuwählend einschätzen? Oder macht ihr Euer Kreuz bei den etablierten und anderen, das System als alternativ-los ansehenden Parteien? Denn damit zementiert ihr auch Unrecht Eures "Arbeitgebers". "Arbeitgeber" bewusst in "" - denn die Arbeit(skraft) gebt ihr. Die DB nimmt sie und zahlt dafür einen festgelegten Preis. 
Im Internet kann ich nachlesen, dass der aktuelle Bundesvorsitzende der GDL in der gleichen Partei ist, wie die aktuelle Bundeskanzlerin. Und die hält das wohl für o.k.!

Frage Nr. 2. Wie sieht es mit Eurer Solidarität gegenüber den Menschen aus, welche ihr transportiert? Ist Euch tatsächlich klar, dass ihr nicht nur aktuelle Transportprobleme schafft, sondern diese Menschen die Resultate des Streiks auch bezahlen? Durch Tariferhöhungen und weniger Rentenpunkte? Wie letzteres zustande kommt, kann man hier nachlesen. Das ihr die aktuelle Störung für die Reisenden erkennt und bedauert ist schon mal positiv.

Damit will ich Euch nicht von Eurem Kampf abhalten - er ist ja berechtigt. Auch ihr habt ein Recht Eure Interessen, mit den zur Verfügung stehenden Mittel durchzusetzen. Das andere das nicht so gut können, ist ja nicht Eure Schuld. Aber darüber nachdenken darf ich und dürft auch ihr schon mal.

Übrigens: ich bin gegen einen vorzeitigen Abbruch des Streiks, wenn nicht eine tatsächliche Bewegung der DB erfolgt. Ich bin sogar dafür, den Streik über den Sonntag hinaus fortzusetzen, wenn bis dahin kein verhandlungsfähiges Angebot vorliegt.

Samstag, 10. Januar 2015

Gewalt ist inakzeptabel

Überall aus unserer Erde wird jeden Tag Gewalt ausgeübt. An tausend Ecken unserer Erde sterben dadurch jeden Tag Menschen. Zumeist findet diese Gewalt aber weit weg statt. In Südamerika, Afrika, Asien. Oder in der Ukraine. Es ist feige und völlig inakzeptabel Menschen zu töten. Egal welcher Grund vorgeschoben wird!

Der Terroranschlag auf ein französisches Satiremagazin schockiert uns. Nicht durch die Art und Weise, mit Waffen gegen Journalisten vorzugehen. Vor allem ist es auch die unmittelbare Nähe des Geschehens. 
Wenn solcherart Gewalt und Mord in den Ländern unserer westlichen Demokratien auftaucht, ist das immer wieder Sonderberichterstattungen der Medien wert und führt zu breiten gesellschaftlichen Diskussionen. 

In den Diskussionen geht es jetzt auch darum, wie weit Satire gehen darf. Diese auf besondere Art Meinungen darstellende Kunstform, geht häufig über die Grenzen von Konventionen und ethischen Vorstellungen hinaus.
Ich meine, auch für Satire sollte es eine Grenze geben. Sie sollte dort sein, wo sie verletzt, was wir lieben. Dort wo es Menschen beleidigt und ihre Würde verletzt. Besonders religiöse Menschen sind sehr empfindlich, was Satire in Bezug auf ihren Gott und Religionsstifter betrifft. Wenn es gar traditionell nicht üblich ist, diese bildlich darzustellen, ist es schon ein Gebot christlicher Nächstenliebe das zu berücksichtigen. Dieses ganz besonders bei Satire zu beachten, ist ein Ausdruck von Toleranz gegenüber den Gefühlen und kulturellen Erfahrungen anderer Menschen. Zudem zeigt sich darin auch, ob ich diese Menschen wertschätze. Und: Satire erfüllt nur dann ihren Zweck, wenn sie ankommt. Das zu berücksichtigen heißt keinesfalls, sich von terroristischen Gewalttäter das Handeln und Themen aufzwingen zu lassen.

Satire ist ein Beispiel. Das gilt auch für alle anderen Verhaltensweisen.

Leider haben auch wir im aufgeklärten Westen häufig ein Problem damit, zu akzeptieren, dass andere Völker und Kulturen auch andere Wertvorstellungen haben. Oft herrscht der Grundgedanke "wir machen alles richtig - anderes kann daher nur unrichtig sein". Das sind jedoch Gedankengänge dogmatischer Haltungen. Demokratie beinhaltet auch Toleranz. Die Welt ist vielfältig.

Im Grundgesetz heißt es "Die Würde des Menschen ist unantastbar". Das meint die Würde aller Menschen.

Sonntag, 16. November 2014

der kleine Unterschied

was unterscheidet eigentlich die Menschheit von anderen Lebensformen auf unserer Erde?
Die Frage ist nicht so leicht zu beantworten wie es auf den ersten Blick scheint.


Betrachten wir einige der üblichen Annahmen.

- Der Mensch kann denken. Nun, ich will mich hier nicht dazu verbreiten, ob das wirklich auf alle Menschen zutrifft. Man hat jedenfalls nicht immer den den Eindruck, dass dieses so ist. (Aber ich meine ohnehin nicht Einzelne sondern die Art an sich.) Vielmehr stelle ich die Frage: können das andere Lebewesen nicht auch? Verhaltensbeobachtungen von Tieren zeigen immer wieder, dass auch Tiere über die Fähigkeit des Denkens verfügen müssen. Das trifft nicht nur auf Säugetiere zu. Auch im Verhalten von Vögeln, Insekten und Kraken lässt sich die Fähigkeit des Denkens erkennen. Ich meine diese Kriterium können wir ausschließen.
- Der Gebrauch von Werkzeugen und die Arbeit. Ebenso wie der Mensch, benutzen verschiedenste Tierarten Werkzeuge, um bestimmte Ziele zu erreichen. Auch das zeigen Beobachtungen und entsprechende Studien mit Tieren. Dabei nutzen sie nicht nur vorgefundenes, sondern bearbeiten geeignete Grundformen sogar.
- Die Sprache? Mitnichten! Wenn wir es nicht auf die menschliche Art der sprachlichen Kommunikation vereinfachen. Wenn auch nicht so komplex wie wir Menschen, so kommunizieren auch Tiere. Diese auch über akustische Signale. Wir verstehen nur die Sprache der Tiere noch nicht.
- Der Dünkel? Möglicherweise. Denn wir bezeichnen uns gern selbst als Besseres und die Krone der Schöpfung. Da wir aber die Sprache der Tiere nicht verstehen, ist nicht ganz sicher, ob auch Schimpansen, Delphine oder Kraken sich für dieses halten.


Nach meiner Ansicht gibt es folgende tatsächlichen Unterschiede.

1. Der Gebrauch des Feuers. Der Mensch sieht das offenbar selbst auch ebenso. Denn schon die Mythologie der alten Griechen hält es für erwähnenswert, das uns durch Prometheus das Feuer gebracht wurde. Die Zubereitung der Nahrung durch Feuer erleichtert uns den Zugang zu den wertvollen Inhaltsstoffen von energiereicher fleischlicher Nahrung, der Rauch des Feuers macht es lagerungsfähig. So musste der Mensch nicht mehr den ganzen Tag Früchte sammeln um sich ausreichend zu ernähren. Dadurch entstand Nummer:
2. meiner kleinen Liste, nämlich Freizeit. Freizeit nicht im heutigen Sinne, sondern im Sinne einer von Nahrungssuche oder Schlaf freie Zeit. Diese freie Zeit ermöglicht es dem Menschen, sein großes Gehirn auch zur Weiterentwicklung auf produktivem (vorerst auf dem Gebiet der Ernährung mit allen seinen "Randthemen", denn die Töpferei hat ja den eigentlichen Sinn, Gefäße zur Aufbewahrung und Transport von Lebensmitteln zu schaffen) und kulturellem Gebiet einzusetzen.
3. Die darstellende Kunst. Davon das andere Lebewesen malen oder Figuren schaffen, um Lebensgefühl zu zeigen und zu vermitteln, habe ich noch nichts gehört.
4. Obwohl Mensch meint denken zu können, zerstört er wider besseren Wissens permanent, die für ihn zum Leben erforderliche Umwelt. Das machen Tiere so nicht. Wie sagt uns eine indianische Weisheit: kein Frosch trinkt den Teich aus, in dem er lebt. Hat der Mensch als er noch näher am Tier war jedoch auch noch nicht getan.
5. Der Mensch tötet massenhaft Lebewesen seiner eigenen Art, nutzt die Getöteten aber nicht mal zu seiner Ernährung, sondern nur um sich materielle Güter anzueignen.
6. Und das halte ich für das wesentliche: er hat die Wahl 5. und 6. zu tun oder es sein zu lassen.


Noch etwas Wissenschaft. In jüngerer Zeit haben Wissenschaftler die Gene von verschiedenen Primaten miteinander und mit denen der stammesgeschichtlichen gemeinsamen Vorfahren verglichen. Das Resultat zeigt, dass die DNA von Mensch und Schimpanse zu 98 % übereinstimmen. Allerdings hat sich nicht der Mensch, sondern der Schimpanse weiter von unseren Vorfahren weg entwickelt. Wikipedia zitiert dazu die Periodika New Scientist mit der Bemerkung "Tatsache ist, dass Schimpansen die höher entwickelte Art sind."

Samstag, 8. November 2014

Brot und Spiele

Ganz so heftig ist es nicht, denn das Brot lassen wir sicherheitshalber fort und konzentrieren uns auf die Spiele. Das aber um so heftiger. Seit Monaten wird das 25. Jahr der Wiederkehr des Mauerfalls zelebriert. Mit einer potentiell wachsenden Euphorie. 

Es ist eigentlich gut, dass die unsinnige Teilung eines über eine lange Zeit zusammen gewachsenen Volkes beendet wurde. Aufs Euphoriegaspedal-Gaspedal wird dabei interessanterweise vor allem von den Vertretern der Kräfte getreten, welche die Ursache für die deutsche Teilung schufen. Wer im Geschichtsunterricht aufgepasst hat und in Zusammenhängen denkt, weiß dass diese unmittelbare Ursache der  2. Weltkrieg war. Es sind auch die gleichen Kräfte, welche die Teilung, aus Angst vor einer nicht ausreichend Kapital-orientierten Entwicklung vollzogen. Das Wissen darüber habe ich nicht nur aus dem Staatsbürgerkundeunterricht, auch der Kalender und Publikationen des Deutschen Historischen Museums belegen dieses.

Der Feierdruck ist derartig gewaltig, das gar Claus Weselskys GDL ihren aktuellen Streik, in einer Aktion des guten Willens heute Abend vorzeitig beendet, um das Volk zum Feiern an die Mauerstandorte zu transportieren. Selbstverständlich werden die Schulkinder in Projekten mit dem Mauerfall beschäftigt - hier und da auch von Einheitsgewinnerfirmen unterstützt. Und das dürften eine ganze Menge sein. 

Ich als Nichtbefürworter der Art und Weise des Vollzuges der deutschen Einheit, sehe mit Gelassenheit und stiller Freude, auf die mit hohem propagandistischem Aufwand betriebenen Feierlichkeiten. Weiß ich doch aus der Erfahrung, dass so etwas nur gemacht wird, wenn die zu Überzeugenden nicht von selbst so recht an die Sinnhaftigkeit glauben. 
Einem Kind, welches nicht selbst daran glaubt, dass es wichtig ist, sich vor dem Essen die Hände zu waschen und in der Schule fleißig zu lernen, muss ich das so lange erklären, bis es das verstanden hat und umsetzt. 
Einem Volk welches nicht so wirklich vom Übel der DDR-Diktatur und davon dass diese Deutschland spaltete überzeugt ist, muss ich das immer wieder neu unter die Nase reiben. Das so etwas noch erforderlich ist, nehme ich als Zeichen des bislang zu geringen Erfolgs. Daher freue ich mich auf weitere Veranstaltungen dieser Art. Nächstes Jahr im Oktober haben wir dann ein Vierteljahrhundert deutsche Einheit.

Die Mauer in den Köpfen steht weiter fest und stabil. Daran erfreuen sich Betonköpfe, welche andere Menschen Betonköpfigkeit vorhalten.

Freitag, 31. Oktober 2014

Verursacherprinzip

Wem der Begriff unbekannt ist. Das Verursacherprinzip sagt uns, dass die durch Aktivitäten erzeugten Kosten oder Probleme, von deren Verursachern zu tragen sind.

Wir kommen soeben aus einem wunderbaren Urlaub zurück, sind erholt und voller schöner Eindrücke. Denn die Sensoren für Negatives lassen wir immer zu Hause - die nehmen bloß viel Platz weg und würden vielleicht sogar Übergepäck-Kosten verursachen. Was wir nach dem o.g. Prinzip zu tragen hätten. Wollen wir nicht.

Wie häufig, mache ich mir nach dem Urlaub das Vergnügen und sichte bei den entsprechenden Diensten die negativen Hotelbewertungen. Was wurde also beim meinem jetzigen Ferienhotel, dessen Personal wir als kompetent und freundlich und dessen Ausstattung wir als super kennen gelernt hatten so bekrittelt?  

Wie schon gedacht war ein wesentlicher Punkt der Flugverkehr, welcher genau über dem Hotel als Einflugschneise stattfand. Wir hatten diesen, am Meerwasserpool, dem Strand oder der Sonnenterrasse liegend auch beobachtet. Da die Flugzeuge heutzutage alle groß und grell mit den Logos von Reiseunternehmen bemalt sind, sahen wir hier deutlich, wer alles Plätze in der von uns gewählten Reiselandschaft anbietet. 

Ich fand es prima, dass hier das Verursacherprinzip wunderbar umgesetzt wird. Ohne Urlauber gäbe es nämlich keine Flugverkehr. In der Nacht haben wir im übrigen keinen Fluglärm erhören können, weil es offenbar in der Nacht keine Flüge gab.

Das Prinzip ist auch gut positiv ausnutzbar. Freundlichkeit lässt sich nämlich durch eigene Freundlichkeit verursachen.


Mittwoch, 8. Oktober 2014

Das Menschenrecht auf Streik

Die Gewerkschaftsbewegung hat sich mit dem Streikrecht ein wichtiges Recht erkämpft. Solidarisch kämpfen sie gemeinsam für menschenwürdige Arbeitsbedingungen und eine Bezahlung mit welcher man auch leben kann. Das ist gut so. Als langjähriges Gewerkschaftsmitglied frage ich mich jedoch immer häufiger, ob dieses noch im Sinne der Gewerkschaftsbewegung genutzt wird. Und zwar hier in Deutschland - einem der reichsten Länder der Welt, in welchem (bei aller Kritik) der Mensch von eigener Arbeit leben kann. Wenn er nicht gerade in einer Niedriglohnbranche tätig ist. Davon gibt es etliche. In einer Studie von 2013 las ich, das jeder vierte hierzulande von einem Stundenlohn von unter 9,54 € leben muss. Die haben in aller Regel das Problem, in ihren Branchen kaum gewerkschaftlichen Druck durch einen Streik ausüben zu können. Wenn kratzt es schon, wenn Frisöre, Reinigungskräfte, Pflegemitarbeiter oder Wachleute streiken? Letztere können das bestenfalls bei der Flughafenkontrolle und -abfertigung. Sie haben auch darum keine Chance wirksamer Arbeitskämpfe, weil sie zersplittert in kleinen Einzelunternehmen arbeiten. Deswegen sind in diesen Branchen nur wenige gewerkschaftlich organisiert. So wenig, dass z.B. bei ver.di im Fachbereich 13 "sonstige" zusammengefasst sind! Das ist schlecht.

Ganz anders können da die Monopolisten mit den Muskeln spielen. Wegen dieser Monopol bedingten Kraft, haben diese auch super Organisatiosquoten. Zuletzt war diese Stärke wieder bei Lufthansapiloten und gestern bei der GDL zu erleben. Weil der Arbeitgeber nicht auf ihre Forderungen eingeht, wird unverzüglich ein bundesweiter Streik ausgelöst um bei Arbeitgeber Druck auszuüben. Mit ihrer Organisationskraft können sie das auch wunderbar. 
Piloten und Lokführer haben sich zumeist einen Traum mit ihrem Beruf erfüllt, wer will nicht Lokführer, Pilot oder Feuerwehrmann werden? Neben dem Traum dieser Aufgabe, haben dies Berufe auch noch eine gute Bezahlung. Sie liegt im allgemeinen über dem Durchschnitt. Ich weiß - es gibt mit Sicherheit Lokführer, welche unter dem statistischen Durchschnitt* bezahlt werden. 
Aber alles wird teurer, da ist schon verständlich, wenn man regelmäßig mehr Lohn haben möchte, um Teuerungen auszugleichen. Das ist recht und billig! Auch Freizeit ist wichtig. Ich las, das die GDL die wöchentliche Arbeitszeit von 37 auf 35 Stunden verringern möchte - Mindestlohn Empfänger könnten mit so wenigen Arbeitsstunden gar nicht leben! Hier möchte aber eine ganze Gruppe 5% mehr Geld, bei grob über den Daumen gepeilt 5% weniger Arbeitszeiteinsatz. Um bei Zahlen zu bleiben: 91% der GDL Mitglieder halten es gerechtfertigt, dafür ihre Fahrgäste mit einem Streik zu bestrafen. Denn darauf läuft es hinaus, wenn dieser Monopolist die Leistungen einstellt. Dabei wird sogar gern auf die hohe Verantwortung der Lokführer verwiesen. Ich halte das für einen Ausdruck hoher Verantwortungslosigkeit und außerdem für unsolidarisch. Was würde ein Lokführer sagen, wenn einer seiner Pflege bedürftigen Angehörigen, die erforderliche Leistung nicht erhielte, weil die Pflegekräfte streiken? Wenn er im Aufzug stecken bleiben müsste, weil der zur Befreiung beauftragte Dienst gerade streikt? Da muss ich doch fragen: waren alle Möglichkeiten schon ausgeschöpft und muss man dann gleich bundesweit und auch im Personenverkehr streiken? Ich halte es für eine Form von Machtmissbrauch. Machtmissbrauch mag ich nicht. Besonders wenn es die Falschen trifft. Das zeigt sich besonders deutlich nach dem nunmehr dritten Streik, binnen kurzer Zeit.

Viele der vom aktuellen Streik Betroffenen sind übrigens Schichtarbeiter aus den o.g. Niedriglohnjobs; Reinigungskräfte und Wachleute welche von der langen Schicht kommen, bzw. zu dieser müssen. Aufmerksame Lokführer könnten das wissen. Und es trifft all jene, welche Umwelt bewusst auf das eigene KFZ verzichten und mit den Öffentlichen mobil sein wollen.

Wer zahlt eigentlich dafür? Die Fahrgäste natürlich. Leute aus dem Niedriglohnsektor sogar dreimal.

- das erste Mal sofort: durch Zeitverlust wegen Zugausfall,
- das zweite Mal mittelfristig: durch höhere Fahrpreise (welche sich z.B, bei der Berliner S-Bahn in den letzten 20 Jahren mehr als verdoppelt haben und das bei geringerer Qualität),
- das dritte Mal langfristig: durch eine geringer ausfallende Rente. Der Abstand zum Durchschnitt der ins Rentensystem Einzahlenden wird nämlich durch die regelmäßigen rapiden Erhöhungen für die Starken immer größer.

Mir stellt sich auch die Frage, ob der Arbeitgeber ebenfalls Schaden erleidet? Zum Beispiel bei der Berliner S-Bahn. S-Bahnen welche nicht fahren, kosten grob gerechnet nichts! Oder? Lokführer, welche streiken kosten dem Arbeitgeber keinen Lohn.
Auf der anderen Seite, fehlen der S-Bahn die Einnahmen für Tickets. Oder? Denn, die in der Nacht und früh am Morgen gewöhnlich und regelmäßig die S-Bahn benutzenden Pendler dürften zu einem hohen Teil Zeitkartenbesitzern sein. Die haben also schon bezahlt! Und. Die Zeit der Nacht dürfte mangels Kontrollen (ich habe zwischen 22 Uhr und 6 Uhr noch nie eine Kontrolle erlebt) die höchste Schwarzfahrerquote haben.
Bei den Fern- und Regionalstrecken mag das vielleicht anders aussehen.

* für das was Durchschnitt ist gibt es diverse Angaben. Für mich hat derjenige Durchschnitt verdient, welcher es auf 1 Rentenpunkt im Jahr brachte.

Mir persönlich schadet der seit 6.11. laufende Rekordstreik übrigens nicht. Als Berliner genieße ich den Vorzug zwei parallele Nahverkehrsnetze nutzen zu können. Den durch vollere U-Bahnen und Busse entstandenen Verlust an Bequemlichkeit kann ich verschmerzen. Rein statistisch überwiegen ohnehin die betriebsbedingten S-Bahnausfälle, die durch den Streik bedingten. Und zwar deutlich! 

Freitag, 29. August 2014

Selbstgespräch

In meinem Holzhau und Wanderblog ist häufig etwas zu lesen, was der Einen oder dem Anderen etwas skurril vorkommt. Keine Angst, es geht hier nicht um irgendwelche sonderbaren Praktiken einer sehr angenehmen Angelegenheit oder andere nicht ganz jugendfreie Dinge. Was mir schon, bevor ich zum Thema gelange einen Zwischenruf erlaubt. Wieso ist die sehr angenehme Sache eigentlich nicht jugendfrei, Krieg und andere Gewalt dürfen aber immer und überall auch von Kindern gesehen (und erlebt!) werden?

Meine Skurrilität betrifft mein Urlaubsverhalten. Nicht nur, dass ich da solch verrückte Sachen wie ausdauerndes Wandern praktiziere. Nein, ich tue es sogar bereits vor dem Frühstück. Bereits um 6 Uhr bin ich im Sommer auf den Beinen und laufe vor dem Frühstück schon wenigstens ein halbes Dutzend Kilometer. Mensch - es ist doch Urlaub, da kann man doch endlich einmal ausschlafen. 
Also. Selbstverständlich stelle ich mir nicht den Wecker, um morgens 6  Uhr Wandern zu gehen. Ich bin zu dieser Zeit ausgeschlafen. Warum sollte ich die wertvolle Zeit also nicht mit etwas von dem ausfüllen, was mir Freude bereitet? Na klar. Dafür bin ich aber am Abend nicht mehr putzmunter, sondern gegen 20 oder 21 Uhr rechtschaffen müde. So gehe ich halt zu dieser Zeit schlafen und vertrödele meine wertvolle Urlaubszeit nicht mit dem, aus meiner Sicht sinnfreien Fernsehprogramm. Habe ich doch am Tage genug tatsächlich fern gesehen. 
Dieser Rhythmus hat einen, die Gesundheit fördernden Nebeneffekt. Ich bin aktiv bei Tageslicht und ruhe wenn es dunkel ist. Das Tier Mensch ist nämlich eigentlich ein tagaktives Lebewesen. Das kann jeder selbst überprüfen. Dafür gibt es ein kleines, aber wirkungsvolles Experiment. 
Nehme Dir eine Taschenlampe und gehe, wenn es draußen schön dunkel ist in den Wald. Jetzt lösche das Licht Deiner Taschenlampe und gehe 50 Schritte in eine beliebige Richtung? Solltest Du nachtaktiv sein, macht das Dir keinerlei Problem, da Du Dich mit Deinen Sinnesorganen prima zurecht findest. Vermutlich bist Du dann aber kein Mensch, sondern ein Uhu oder eine Fledermaus. 

Fazit: eigentlich ist nicht das was ich tue sonderbar, sondern das es so wenig Leute so tun, ist das Komische. Aber es gibt so viele sonderbare Sachen. So habe ich letztens auf dem Spielplatz folgendes erlebt: 
Ein kleines Mädchen fährt prima mit dem Fahrrad. Nicht ganz so schnell, wie Papa es will - aber immerhin rücksichtsvoll und entsprechend den Regeln. Der Brunder des Kindes quengelt aber ein wenig, weil er auch Fahrrad fahren möchte. Papa sagt also zum Mädchen "du machst das nicht richtig", nimmt ihr das Rad weg um es dem Sohn zu geben. Da Papa ihm das aber offensichtlich nicht beigebracht hat, fällt er immer wieder um. Was macht Papa also? Er sagt dem Mädchen "zeige Deinem Bruder, wie man Fahrrad fährt. Du kannst das doch gut." Zum Glück ist so etwas selten. Gute Väter geben beiden Kindern ein eigenes Fahrrad.